Experiment Rosenkohl
Erfahrungen aus dem Erstanbau im eigenen Garten
Das Lieblingsgericht meiner älteren Schwester ist Rosenkohl – und da wir seit knapp einem Jahr eine WG im ehemaligen Haus unserer Großeltern in Oldenburg bilden, schlug mein Gärtnerherz gleich Purzelbäume bei dem Gedanken, dieses Wintergemüse auf den Saatplan in meinem (ach nein: unserem) Stadtgarten zu setzen. Die kleinen Kohlröschen habe ich noch nie in echt wachsen sehen – und bin daher gespannt, ob ich sie im Herbst ernten und lecker verarbeiten kann.
Wintergemüse auf Vorrat
Doch von vorn: Rosenkohl mochte ich als Kind nie (gar nicht so untypisch aufgrund des pikanten Aromas) und als meine Mutter einmal sogar unsere Lieblingsgerichte verwechselte – ich liebe Porree in Schinkenröllchen in Käsesoße überbacken – standen die possierlichen Röschen lange Zeit auf meiner No-Go-Liste für Küche & Garten. Doch mittlerweile habe ich meine Abneigung überwunden – und entdecke die vitaminreiche, ballast- und nährstoffhaltige Gemüsequalität natürlich am liebsten aus dem eigenen Garten nochmal ganz neu.
Die ersten Röschen in den Blattachsen
Entschieden habe ich mich spontan beim Raiffeisenmarkt meines Vertrauens für die samenfeste Sorte Roodnerf (Brassica oleracea var. Gemmifera) von der Marke Gärtnerglück. Laut Samentüte eine mittelhohe, ertragssichere Sorte für die Winterernte und gefriergeeignet. Ertragssicher – na ja, das ist in diesem Sommer eine besondere Herausforderung angesichts der immensen Population von Nackt- und Gehäuseschnecken… Die erste Aussaat – übrigens frühzeitig voller Eifer in Naturpflanztöpfen im Haus auf der Fensterbank zu kleinen Minipflänzchen vorgezogen – war leider schnell abgefressen. Aufgeben zählt nicht! Die zweite Aussaat hatte zumindest den Erfolg, dass vier von mindestens einem Dutzend Setzlingen es geschafft haben, sich nach den Eisheiligen Mitte Mai auf dem Gemüseacker in sonniger Ost-Süd-Lage zu behaupten. Gesorgt habe ich im Vorfeld hier für einen tiefgründigen, nährstoffreichen Boden mit hohem Humusgehalt. Gedüngt hatte ich zuvor mit OptiMIST, einem zu 100% organischen Naturdünger aus Kuhmist, Gras und Stroh, hergestellt im Wangerland.
Aktuell bilden sich an zwei Rosenkohl-Strängen ganz zart die ersten Röschen aus, die in den Blattachsen wachsen. Jeden Morgen freue ich mich über die Fortschritte, sorge für genügend Wasserzufuhr in der Hauptwachstumszeit – und ärgere mich ein bisschen, wenn die Blätter wieder etwas mehr von gefräßigen Tierchen durchlöchert sind.
Rosenkohl erfordert Geduld und Platz
Wer Rosenkohl anbaut, braucht Geduld und ausreichend Platz, um den Sprossenkohl zu kultivieren, der sich übrigens von Brüssel aus im 19. Jahrhundert in Europa verbreitet haben soll, und deshalb auch als „Brüsseler Kohl“ bekannt ist. Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen bis zu 200 Tage, die Pflanze kann bis zu einem Meter hoch werden. Laut Samentüte ist zwischen Oktober und Dezember mit der Ernte zu rechnen. Die Knöllchen, die sich kunstvoll an den Trieben vertikal aufreihen und in der Regel von unten nach oben reifen, brauchen noch einige Zeit bis zur Reife. Ich hoffe, dass es beide Pflanzen bis dahin schaffen! Aktuell habe ich die erste Nachdüngung aus Kompost und Mist gegeben, um den Wachstumsschub nochmal zu unterstützen. Auch Pflanzenjauche und Hornmehl wird empfohlen. Rosenkohl gehört zur Gruppe der Kreuzblütler und wie alle Kohlarten zu den Starkzehrern. Die dritte Pflanze ist in der Entwicklung noch hinterher und das vierte Exemplar hat es aus ungeklärten Gründen nicht geschafft. Ein typischer Schädling des Rosenkohls sind die Kohlweißlingsraupen, die die Pflanzen innerhalb kurzer Zeit vernichten können. Ob ein Gemüseschutznetz den Befall mit der Kohlfliege verhindern wird, bleibt abzuwarten. Unterstützen sollen beim Wachstums- und Reifeprozess auch gute Nachbarn – bei mir Kartoffeln, Rote Beete, Bohnen und Mangold.
Experiment Radieschen
Sollten es tatsächlich beide Pflanzen schaffen, würde ich eine nicht abernten, weil die zweijährige Pflanze dann im nächsten Jahr neu austreiben und im Sommer blühen könnte. Dieses faszinierende Schauspiel habe ich in diesem Sommer erstmalig bei einer Radieschen-Pflanze erlebt. Meine Beobachtungen dazu findet ihr im Artikel „Experiment Radieschen“.
Von Swantje Harms