INTERVIEW
Rosenpflege im Frühling
Wieder ein Winter ohne lange frostige Wochen! Tagsüber krabbelt das Thermometer manchmal schon zweistellig im Februar oder Anfang März. Die Hobbygärtner stehen in den Startlöchern, wenn die ersten Sonnenstrahlen sie in ihre geliebten Gärten locken. Auch, wenn es in den Fingern juckt und du die neue Gartenschere ausprobieren möchtest, ist es noch etwas verfrüht mit dem Rosenschnitt zu beginnen. Die frühen Austriebe sind oft anfällig für Krankheiten und Spätfröste, die wir hier ja immer gerne haben. Also übe dich noch etwas in Geduld!
Das milde Winterwetter lässt unsere Rosen im Garten schon treiben und mancherorts findet man sogar noch die eine oder andere Blüte am Rosenstrauch! Doch wie mein alter Meister zu pflegen sagte: „Ein guter Gärtner braucht Geduld und eine scharfe Schere.“ Mit der Geduld ist es zuweilen schwierig, aber glaube mir, das kommt mit fortgeschrittenem Alter, ich hätte das auch nie für möglich gehalten. Geduld zahlt sich im Garten meistens aus. Bei wolkenfreiem Himmel fallen die Nachttemperaturen leicht unter den Gefrierpunkt und die frischen Triebe sind gefährdet. Meist ist das kein Problem, denn Rosen treiben zuerst nur an den oberen Zweigpartien aus — die unteren Knospen (schlafende Augen) sind sozusagen durch die aktiven oberen Augen vor Frost geschützt. Also rücke lieber unliebsamen Unkräutern zu Leibe, als deine Rosen zu früh zu schneiden! Abgestorbene Astteile, frühe und dünne Austriebe, auch Blindtriebe genannt, sind meist auch anfälliger für Pilzkrankheiten. Warte lieber geduldig ab, bis etwa deine Forsythien im Garten blühen. Dann ist es Zeit für den Rosenschnitt. Wie dieser gelingt, erzählt Trixi Stalling, Leiterin des Schlossgartens Oldenburg, im Interview.
Das Interview führte Andreas Unterberg
Warum ist ein gründlicher Rückschnitt im Frühjahr so wichtig?
Der Rosenschnitt im Frühjahr fördert einen kräftigen und gesunden Pflanzenaufbau. Durch den Schnitt regt man die Blühfreudigkeit der Pflanze an. Rosen benötigen immer viel Licht und Luft, stetig nasse und beschattete Blätter sind anfällig für Pilze und Rosenrost. Schneide dabei alle Triebe und Verästelungen aus, die dünner als Bleistiftstärke sind. Durch das Auslichten der nach innen stehenden Ästen, trocknen die Blätter schneller ab und sind so weniger anfällig für Rosenkrankheiten. Verletzte und zu alte Triebe oder Frostschäden werden ebenfalls ausgeschnitten. Diese würden nur Pilze anlocken. Um den Austrieb aus wenigen Augen zu fördern, bei Beetrosen etwa 4 bis 5 Augen, wird die Anzahl der Wuchsknospen reduziert.
Welche Rosensorten benötigen eine spezielle Frühjahrsbehandlung?
Die richtige Schnitthöhe richtet sich nach Art der Rosen. Hier differenziert man u.a. zwischen öfter blühenden Edel-, Beet- und Zwergrosen, wo alle Triebe auf ca. 15 bis 20 cm geschnitten werden. Bei den öfter blühenden Strauchrosen, den historischen und den englischen Rosen schneide den gesamten Strauch etwa um ein Drittel bis maximal zur Hälfte zurück. Strauchrosen werden weniger stark geschnitten, da sie sonst mit starkem Wuchs und Blütenarmut reagieren. Historische Rosen, Ramblerrosen und viele Kletterrosen blühen nur einmal im Jahr und können die ersten Blüten erst am zweijährigen Trieb bilden. Somit musst du hier vorsichtig mit dem Schnitt sein und nur das schneiden, was stört. Ebenso regt ein Schnitt des Altholzes auch den Wuchs und somit die Verjüngung wieder an.
- Vermeidung von Krankheiten | Entferne nach dem Schnitt das komplette Laub, da es sonst für Krankheiten anfällig wird. Setze den Schnitt etwa 5 mm über einem Auge (Wuchsknospe in der Blattachsel) an. Achte darauf, dass das Auge nach außen zeigt.
- Wichtige Schnittregel | Auf starken Rückschnitt folgt starker Austrieb.
Welche Rolle spielt das Wetter bei der Rosenpflege?
Die starken Nachtfröste warten wir vor dem Schnitt ab, um nicht den frühzeitigen Austrieb anzuregen.
Wie steht es um die optimale Düngung und Bodenpflege?
Zur Düngung empfehle ich organisch-mineralischen Dünger. Im Schlossgarten düngen wir zumeist mit gekörntem Rinderdung und eventuell mit Oscorna. Zusätzlich geben wir dann noch Kalkbeigaben hinzu. Verlässlich kann man aber keine Werte nennen, da dies auch abhängig vom Standort und Vitalität der Rose abhängig ist. Gedüngt wird das erste Mal Anfang April. Der Boden muss sich aufgewärmt haben, damit das Bodenleben ideale Voraussetzungen hat, um den Dünger zu verarbeiten und aufzuspalten.
Bei der Rosenpflanzung sollte kein Dünger verwendet werden! Die zweite Düngung erfolgt nach der ersten Blüte Ende Juni – Anfang Juli. Dies hängt von den Sorten und der Witterung ab. Wenn du deine Rosen jetzt aber erst pflanzt, warte mit der Düngung nach der Blüte. Dann hat sich die Pflanze eingewurzelt und die Wurzeln können den Dünger aufnehmen. Gerne wende ich auch einen Bodenaktivator an, der den Boden verbessern und gerade bei Rosen im Kübel, wahre Wunder bewirken können. Nährstoffmangel an Pflanzen können ganz leicht erkannt werden. Der Austrieb ist schwach, die Pflanze ist krankheitsanfällig und die Blätter sind zumeist hellgrün.
Welche natürlichen Mittel helfen gegen Blattläuse und andere Schädlinge?
Schädlinge an Rosen gibt es zuhauf, besonders wenn es sich um empfindliche Rosen handelt, die zudem noch an falschen Standorten stehen. Der richtige Standort ist bei allen Pflanzen und Gehölzen die Grundvoraussetzung für ein gutes und gesundes Wachstum.
- Spinnmilben | Winzige, orangerote Spinnmilben findet man an heißen, trockenen Standorten. Besonders überdachte Standorte sind spinnmilbengefährdet. Sie halten sich an der Blattunterseite auf und schädigen die Rose durch enorme Saugtätigkeit. Die Blätter sind mit feinen Gespinsten verbunden und fallen schließlich vorzeitig ab. Bekämpfungsmaßnahmen: Bei Befall empfiehlt sich die abwechselnde Behandlung mit verschiedenen geeigneten Spritzmitteln, wie Spinnmilbenfrei. Das Präparat erhältst du in der Genossenschaft. Spinnmilben sind schwer zu bekämpfen, da die meisten Mittel entweder Eier oder erwachsene Tiere abtöten können. Tiere die sich zur Zeit der Behandlung im Larvenstadium befinden werden zum größten Teil überleben und von neuem die Pflanze befallen. Die Spinnmilben sind wirklich schwer zu bekämpfen. Auch für uns Profis. Deshalb empfehlen wir befallene Pflanzenteile mit der Rosenschere zu entfernen. Spinnmilben sind wie so oft ein Standortproblem.
- Blattläuse | Blattläuse treten bevorzugt bei warmer und trockener Witterung und in heißen Lagen auf. Die Hauptbefallszeit ist im Frühjahr und Vorsommer. Sie hemmen das Wachstum der Pflanze und führen zu verkrüppelten Blättern, Trieben und Knospen. Bekämpfungsmaßnahmen: Bei Befall empfiehlt sich die abwechselnde Behandlung mit verschiedenen geeigneten Spritzmitteln. Mit einem Neem-Öl Spritzmittel können sie effektiv bekämpft werden. Das Öl verklebt die Atemröhren (Tracheen) der Blattläuse, so dass sie einfach ersticken.
- Mehltau | Trockene Witterung ist leider ideal für die Entwicklung von Blattläusen und echtem Mehltau. Bei Befall mit echtem Mehltau empfehle ich einen leichten Rückschnitt aller befallenen Pflanzenteile. Die ersten Läuse können mit einem leichten Wasserstrahl von den Pflanzen abgespritzt werden. Ist der Befall stärker, kannst du eine biologische Kombilösung verwenden, die beide Probleme mit einer Anwendung behandelt. Wichtig ist, dass du den Pilzbefall vor der Behandlung mit der Schere reduzieren musst! Die Pflanzenschutzmittel können die Rose vor Neuinfektion schützen, aber die befallenen Teile nicht heilen! Bitte Finger weg von Schmierseife, damit zerstörst du die natürliche Wachsschicht der Blätter und verschlimmerst den Zustand der Pflanze. Im Handel sind Mehltau Kombipacks erhältlich, dabei werden der Mehltau und Blattläuse mit einem Ölfilm überdeckt und erstickt. Die ungiftige Behandlung sollte nach 14 Tagen wiederholt werden.
- Rosenblattrollwespe | Die Rosenblattrollwespe sucht jedes Jahr von Mitte Mai bis Anfang Juni die Rosengärten heim. Die kleine schwarze Wespe legt ihre Eier an den Rand eines Rosenblattes. Dieses fängt nach kurzer Zeit an sich nach innen einzurollen. Eine perfekte Schutzröhre für die jungen Larven, die sich so vor Feinden geschützt entwickeln können. Leider macht dieser Umstand auch die Bekämpfung dieser Larven schwer, denn die handelsüblichen Mittel gegen Insekten erreichen die Larven nur schlecht bis gar nicht.