Gartenzeit | Magazin
01 | 2023
22/28

Naturnah gärtnern:

Damit der Tisch stets reichlich gedeckt ist

© pixabay

Liebst Du auch das Summen und Brummen von Bienen 
und Hummeln in Deinem Garten? 

Das fröhliche Zwitschern der Rotkehlchen oder das muntere Keckern der Meisen, die vergnügt von Ast zu Ast hüpfen? Damit auch Tiere sich in Deiner grünen Oase wohlfühlen, solltest Du bereits bei der Planung einiges beachten. Denn bunte Stauden, ein üppig wachsender Strauch, vielleicht ein paar Bäume und kleine Wasserstellen – das gefällt nicht nur uns Menschen. „Vielfalt ist hier das entscheidende Kriterium“, weiß Gartenexperte Olaf Schachtschneider aus Aschenstedt. Und: „Alles ist besser als Steine!“ Wie auch Du Deinen Garten naturnah gestalten kannst, das verrät Dir der Gärtnermeister hier.

Ein sicherer Unterschlupf 

Süßer Nektar verzückt wohl alle Insekten, brauchen sie ihn doch als Treibstoff zum Leben. Sie sind es auch, die Vögel in Dein kleines Naturparadies locken. Und nicht nur sie, auch Rückzugsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle. Dies kann eine Ansammlung von Totholz für die Insekten sein oder eine dicht gewachsene Hecke beziehungsweise an der Wand rankender Efeu für die Vögel, wo sie auch ungestört ein Nest bauen und ihre Jungen aufziehen können. Auch kleine und größere Steine bieten einen prima Unterschlupf: das ideale Zuhause für kleine Krabbler, manchmal sogar für die sonst recht flinken Eidechsen, die es besonders gerne haben, wenn die Steine in der Sonne liegen.

Reiche Auswahl 

Damit der Tisch zu jeder Jahreszeit reichlich gedeckt ist, solltest Du bei der Pflanzenwahl darauf achten, dass immer etwas Blühendes vorhanden ist. Hierfür am besten in einem Gartenfachmarkt beraten lassen, denn Blüte ist nicht gleich Blüte. „Nehmen wir beispielsweise den allseits beliebten Schmetterlingsflieder. Er erfreut zwar durch seinen Duft und lockt dadurch auch jede Menge Schmetterlinge und weitere Insekten an – aber im Gegensatz zu anderen Pflanzen enthalten die feinen Blüten sehr wenig Nahrung“, weiß Olaf Schachtschneider. Beim Kauf sollte man außerdem darauf achten, dass die Blüten einer Pflanze ungefüllt sind. Die stark gefüllten, beispielsweise von einigen Rosensorten, bieten den Insekten keine oder nur sehr wenig Nahrung. Und wie wäre es mit einer richtig schönen Blumenwiese? Wer einen großen Rasen hat, kann einen Teil davon in eine Blühwiese umwandeln. Das Gras einfach wachsen lassen und eine bunte Samenmischung darauf verteilen. Kürzt man seinen Rasen häufig, so kann der feine Rasenschnitt als Mulch liegenbleiben.

Der richtige Standort

Damit Apfel, Weißdorn, Rosen und Stauden auch wirklich in größtmöglicher Pracht erstrahlen, ist standortgerechtes Pflanzen ein Muss. „Auch hierzu beraten die Experten in einem Fachmarkt oder einer Gärtnerei, denn für jede Pflanze gibt es eine passende Stelle, an der sie sich richtig wohlfühlt.“ Bevorzugen einige ein schattiges Plätzchen, sind beispielsweise viele blühfreudige Stauden an einem sonnigen Ort tausendmal besser aufgehoben. „Nicht zu vergessen: Die Pflanzen nehmen nicht nur Feuchtigkeit auf, sondern geben sie auch wieder ab und sorgen damit für ein spezielles Mikroklima, das auch unsere Lebensqualität fördert. Das gilt insbesondere für Bäume, die im Sommer Schatten spenden und im Winter nach dem Abfall des Laubs für Licht sorgen.“ Apropos Laub: „Einen Großteil davon am besten liegenlassen. Es gibt im Winter keinen besseren Schutz vor der Kälte und im Sommer schützt es vorm Austrocknen. Hier kann man auch auf Rindenmulch zurückgreifen.“

Heimisch oder nicht?

Auch wenn von vielen Seiten immer wieder für den alleinigen Anbau heimischer Pflanzen plädiert wird, so ist dies nicht mehr zwingend zeitgemäß. „Der Klimawandel mit seinen zunehmend heißen Sommern zeigt, dass wir auch bei der Gartengestaltung umdenken müssen. Viele unserer heimischen Sträucher oder Bäume kommen mit der Trockenheit nicht zurecht. Bevor also ganz auf solche Gehölze verzichtet wird, kann man besser zu Nichtheimischem greifen“, so Olaf Schachtschneider. „Es gibt hier inzwischen spannende Erkenntnisse, dass auch solche Pflanzen in unseren Gärten vorteilhafter sind als bisher angenommen. Und nicht nur, weil die Temperaturen klimabedingt insgesamt heißer werden, sondern auch, weil es sich oft um extreme Standorte handelt: Auch das Haus und viele Pflastersteine, also alles, was den Boden verschließt, sorgen für noch mehr Hitze im Garten.“ Daher richtet man den Blick inzwischen vermehrt auf robuste Züchtungen mit einem geringen Wasserbedarf. Sehr gut, auch für Insekten, ist beispielsweise der aus dem Kaukasus stammende Perückenstrauch, der mit seinem dunklen Blatt und übersät von filigranen Blüten auch optisch ordentlich was hermacht. „Oder aber Liguster mit seinen tollen weißen Blüten“, so Olaf Schachtschneider und fügt hinzu: „Jede Pflanze hat ihre Daseinsberechtigung.“

Ganz nach Geschmack

Natürlich soll ein Garten schon bei seinem Anblick wahre Freudensprünge auslösen. Daher am besten auf die eigenen Vorlieben achten. Das fängt schon bei der Farbe an. Während der eine es gern knallbunt mit allen nur erdenklichen Farbtupfern mag, hat der andere es lieber etwas dezenter mit perfekt harmonierenden und aufeinander abgestimmten Tönen. „Deswegen können es trotzdem viele unterschiedliche Pflanzen sein, die attraktiv für die unterschiedlichsten Tiere sind und damit für eine große Artenvielfalt sorgen – genau das macht nämlich das naturnahe Gärtnern aus.“

von Melanie Jülisch